Zugegeben, das Bild hier unten ist eins aus dem letzten Urlaub (sorry, Frau Spätlese!), aber man erkennt darauf hoffentlich, dass hier viele Autos hintereinander stehen.
Was wir hier die Woche mal hatten, war ein Stau auf der A6. 20 Kilometer. Wegen einem Unfall, bei dem gottseidank niemand großartig verletzt wurde.
Und wenn so ein Unfall passiert und dann der Stau anfängt, dann kommt ja im Radio, dass “da und dort” ein Unfall war und dass die eine und/oder die andere Spur gesperrt sind.
Wenn das was größeres wird, dann kommt das mit der Sperrung deutlicher, und dass man die Unfallstelle doch bittschön über die U-Sowieso umfahren soll.
Und wenn die Situation richtig ausufert, dann wird gemeldet, dass auch auf den Umleitungsstrecken mit dick Stau zu rechnen sei, weil auch diese überlastet seien. Und man soll die Gegend doch bitte weiträumig umfahren.
Das ist ja alles schön und gut, aber was soll man denn tun, wenn man in genau der Ecke wohnt, vor der gewarnt wird? Soll man dann sein Zuhause auch weiträumig umfahren?
Wir waren ja neulich ein bissel urlauben, und was uns kolossal fehlt, ist (neben vielem anderen) die uneingeschränkte und allgegenwärtige Verfügbarkeit von französischen Backwaren. Das was unser Dorfbäcker als “Pariser Brot” verkauft, hat mit dem Original in Etwa so viel gemeinsam wie ein Traktor mit einem Rennauto.
Also habe ich mich ins Netz gewagt und ein Rezept gefunden, welches im Ergebnis durchaus nahe an das Zeugs aus dem Urlaub ran kommt.
Zugegeben, jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe, habe ich noch keine Ahnung, was “Poolish” oder “kalte Führung” bedeutet (das muss ich nachher noch googeln). Oder was an den Wartezeiten Voodoo ist und was nicht.
Ich geb aber mal ein paar Tipps unter uns Hausmännern:
Wenn man Sonntag morgens Baguette für die Family backen will, muss man laut dem Rezept Samstag morgens anfangen. Hab ich so gemacht.
Weizenmehl Typ 65 hab ich keins gefunden. Pupsnormales Standardweizenmehl geht offenbar auch. Und das Weizenmehl lässt sich (bei Mangelerscheinungen) auch komplett durch Dinkelmehl in gleicher Menge ersetzen, auch das geht.
Backmalz habe ich keins gefunden. Also habe ich Zuckerrübensirup verwendet. Geht auch.
statt der frischen Hefe tut’s auch Trockenhefe. Geht auch. Ich habe ein (1) Tütchen anteilig in den Vor- und den Hauptteig reingeleert.
den Vorteig kann man gut noch mit den Schneebesen im Handrührer machen
den Hauptteig muss man aber mit den Knethaken rühren. Mein 450W-Markengerät wird nach den vorgeschlagenen 20 Minuten schon merklich warm.
Ich hab das “9°-Wasser” so kalt wie möglich aus dem Wasserhuhn entnommen, geht offenbar auch.
die 24 Grad konnte ich auch nicht garantieren, ich hab den Pott halt zugedeckt in der Küche stehen lassen. Ging auch.
“Gefaltet” hab ich den Teig beim Umfüllen in die Schüssel so: mit dem Teigschaber umfüllen, dann mit Mehl bestreuen und dann tatsächlich einmal gefaltet.
die Umfüll-Schüssel sollte sehr deutlich größer sein als die Anrühr-Schüssel. Weil wegen der freien Entfaltung und so.
für meinen ersten Versuch hab ich den Teig bereits nach 10 Stunden aus dem Kühlschrank geholt, nur eine halbe Stunde aufwärmen lassen und auch nur eine halbe Stunde “zur Gare” gestellt (was auch immer das wieder heißen mag).
Baguettes forme ich so, dass ich den Teig in handliche Stücke teile, nochmal mit etwas Mehl bestäube und durchknete. Dann werden die länglich gemacht und verdrillt. Dann kommen die aufs Blech, dürfen sich noch ein bissel ausruhen (das ist das, was ich unter “Gare” verstehe) und dann werden sie eingeschnitten.
Vor dem Backen mit ein wenig Wasser bestreichen macht noch knusprigere Knusperkruste.
Drei Wochen lang haben wir nun den Zapper für unsere Glotze gesucht.
Überall.
Auch in der Aschenschublade des Kaminofens (dahin hatte meine Große vor Jahren mal den Zapper für den Receiver aufgeräumt, was uns auch erst Wochen später aufgefallen ist, als es mal wieder kälter wurde und wir mal wieder geheizt haben).
Und hinter dem Sofa.
Und im Kinderbett.
Und im Bad.
Und in der Küche.
Und im Schlafzimmer.
An unserem letzen korsischen Abend haben wir es uns im Restaurant unseres Campingplatzes nochmal richtig gut gehen lassen. Das hier war der gebackene Ziegenkäse (Chèvre Chaud, eine Vorspeise), den sich meine liebe Frau bestellt hatte:
Nachts war unser Pool zwar nicht bevölkert aber doch beleuchtet:
Am darauffolgenden Morgen (wir schruben den 4. Juni, Anm. d. Red.) haben wir unsere restlichen Sachen ins Auto verfrachtet und sind losgefahren nach Bastia. Mei, was hab ich geschaut, als die Straße kurz vor Bastia tatsächlich zweispurig und zur Autobahn wurde! Ich hatte mich schon so an das urlaubsfördernde 50-70-90 gewöhnt!
Unsere Fähre nach Genua, die Moby Corse, ist um 11.00 Uhr losgefahren. Die Corsica-Ferries-Fähre hier auf dem Bild dürfte diejenige gewesen sein, die später am Tag (um halbzwei) nach Livorno gefahren ist.
Und das hier, meine Damen und Herren, ist die Costa Concordia. Die wurde ja nach dem Absaufen und der anschließenden Aufrichteaktion vor der Insel Giglio “in den Hafen von Genua geschleppt”, wie es die Medien rauf und runter meldeten. Ich habe dabei immer an einen Industriehafen abseits der öffentlich zugänglichen Bereiche gedacht, aber dem ist eben nicht so. Mit der Fähre fährt man nur ein paar Meter fuffzich dran vorbei!
Wieder auf dem Festland, sind wir “in umgekehrter Reihenfolge” wieder nach Hause gefahren; wie schon eingangs berichtet.
Schön war’s, und wenn ich meine Familie so höre, war das auch nicht der letzte Aufenthalt auf Korsika. Mal sehen, was mein Geldbeutel dazu meint …
Ich hatte zwar vor unserem Korsikaurlaub schonmal das Wort “Gumpen” gehört, wusste aber nur, dass das irgendwas mit Wasser zu tun hat. Die nette Wikipedia weiß mehr: Eine Gumpe ist ein beckenartiger Strudeltopf eines Gebirgsbachs.
Korsika scheint so etwas wie die ursprüngliche Heimat aller Gumpen zu sein, denn die Flüsse sind (zwangsläufig) kurz und vergleichsweise steil. Wir haben uns an den Fiumicelli ran gewagt, der bei Solenzara in das Thyrrenische Meer mündet und die natürliche Grenze zwischen den Departements Haute-Corse und Corse-du-Sud bildet. Zuerst sind wir den Fluss ungefähr zwei Drittel hoch und haben dort eine Wanderung den Bachlauf aufwärts gemacht. Da sieht’s beispielsweise so aus:
Es gibt in solchen Bergbächen Kiesel noch und nöcher, von “fein wie Sand” bis “groß wie Bus”.
(Halb Off Topic: Letzte Woche hier im Radio wurde berichtet, dass in der Nähe ein heftiges Gewitter war, bei dem Hagelkörner groß wie Kieselsteine runter kamen - was glaubt ihr, wie ich mich darüber aufgeregt habe, weil die Maßeinheit “Kieselstein” seit diesem Urlaub für mich noch viel weniger Aussagekraft hat als die eh schon total ungenaue Fußballfeldanalogie!)
Eine Gumpe im ursprünglichen Sinn sieht beispielsweise so aus:
Wir sind dem Flusslauf ein paar hundert Meter aufwärts gefolgt, sind geklettert und gehüpft, haben gebadet und die tollen Steinformationen bewundert. Übrigens hat man nur sehr wenig Chancen, beispielsweise als Fotograf mit teurem Equipment neben so einem Bachlauf her zu klettern. Denn es kommen definitiv Stellen, an denen man ins Wasser muss. Wanderschuhe sind hier fehl am Platz.
Als die Kids nach ein paar Stunden genug hatten, haben wir umgedreht. Bei der Fahrt wieder den Berg runter habe ich das unverkennbare Auto meines Arbeitskollegen stehen sehen. Also musste ich eine Notbremsung einleiten und umdrehen. Wir haben dann den Rest des Tages eben weiter unten am Fiumicelli verbracht …
Dort ist auch nachfolgendes Foto entstanden.
Ein absolutes Highlight für die Kids: erst Klettern und dann ins Wasser hüpfen. Das geht bis zur totalen Erschöpfung. Gumpen Jumpen eben …
;-)
Was mich im Nachhinein gewundert hat, ist das super klare und dennoch leblose Wasser. Ich hätte mit Forellen gerechnet oder so, aber das einzige Lebendige, was ich im Wasser gesehen habe, waren Kaulquappen. Keine Algen, keine kleinen Fische, nix. Wahrscheinlich gibt’s erst viel weiter an der Mündung Leben.
Am Tag darauf bin ich früh aufgewacht, habe meine Knippse geschnappt und bin zum Strand getingelt. Ein richtig schöner Sonnenaufgang, und außer mir war niemand sonst am Strand.
Nach dem Frühstück haben wir uns aufgemacht nach Bonifacio. Geparkt haben wir im Haute Ville, quasi direkt auf den Klippen. Nach einer Tour durch die Stadt haben wir eine Bootstour gebucht und ein teures Mittagessen zu uns genommen. Die Menschen in Bonifacio leben sozusagen direkt am Abgrund. Dabei gehört der Kalkstein dort zu einem geologischen Phänomen, denn 95% der Küste von Korsika besteht aus anderen (haltbareren) Gesteinen. Ein paar Meter Westlich von Bonifacio gibt es gar eine Bucht, deren Westseite aus rotem Granit und die Ostseite aus dem weißen Kalkstein besteht.
Nach erfolgreicher Rückfahrt (der Hanshans meinte beim Anwerfen zurück zum Campingplatz in Bonifacio “Entfernung 85km, 1:45h”) haben wir eine ordentliche Pietrablume zum Grillen gebaut.
In so gut wie jedem Reiseführer gibt es Fotos vom Plage de Palombaggia. Weil der doch so toll sein soll. Zugegeben, ich kann dazu nichts sagen, weil ich mir den Strand von Palombaggia nicht selbst angeschaut habe.
Aber wir waren am Strand von Santa Giulia, und der lässt sich in seiner karibischen Anmutung irgendwie nicht so richtig toppen:
Am Folgetag kam meine Familie irgendwie nicht in die Pötte und es wurde wieder ein Pooltag. Ich habe mir die Zeit damit vertrieben, Düsenjäger zu knippsen. Denn etwas südlich von Ghisonaccia befindet sich die Militärbasis 126, und die hatten ein Fest organisiert:
Da flog so einiges über unseren Köpfen rum, zum Beispiel auch diese hier:
Und auf dem Campingplatz sah es wegen der vielen Piloten und Fallschirmspringern aus wie bei Top Gun.
Dann habe ich einen Tag Pause von allem gemacht und bin nicht aus dem Bett. Vermutlich ein SRS-Anfall (Stress Relief Syndrome).
Tags darauf war alles besser und wir haben eine kleine Tour durch den wilden Fium’Orbu gemacht. Die D344 hoch bis Ghisoni war schon deutlich abenteuerlich mit unserem großen Wagen (ja, ich weiß, dass es auf Korsika auch noch gaaaaanz andere Straßen gibt)
In Ghisoni haben wir ein lecker Eischen aus Porto Vecchio gegessen, den Neptun-Brunnen bestaunt und festgestellt, dass wir eigentlich falsch gefahren sind.
Weil eigentlich wollten wir schon auf halbem Wege links abbiegen um nach Pietrapola zu den heißen Quellen zu kommen.
Wir sind dann von Ghisoni aus wieder zurück gefahren und nach Pietrapola abgebogen, nur um festzustellen, dass die Therme (offenbar dauerhaft) geschlossen ist. Also sind wir runter zum Fluss getingelt und - siehe da! - dort läuft quasi das “Abwasser” der Therme! Schöne warme Pfützen mit leichtem Schwefel-Odeur und Fröschen (und Strempferskindern) drin!
Tags darauf haben wir einen “Geheimtipp” aus unserem Reiseführer ausprobiert, die Gumpen des Bucatoggio. Die Anführungszeichen rühren daher, dass dort ziemlich viel los war. Wahrscheinlich lag’s daran, dass der Reiseführer beim Buchversand grade Platz 1 bei den Korsika-Schinken ist.
Auf dem Foto sieht es vielleicht nicht so aus, aber dieser Wasserfall hat gut und gerne 5 Meter und macht ganz schön Krach!
Zurück vom Gumpen Jumpen und dem Wasserfall haben wir ein paar korsische Sachen käuflich erworben und uns einverleibt.